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Das Perisutti Pflegezentrum des Sozialhilfeverbandes Deutschlandsberg plant jegliche Innovationen in der Altenpflege aus der laufenden Bedarfswahrnehmung und schafft daraus neue Pflege- und Betreuungsangebote.

So auch die vorgezogene Errichtung einer Pflegeoase, im Zuge der Implementierung des 3-Welten Modells nach Dr. Christoph Held, das eine demenzspezifische Pflege und Betreuung gestaltet.

  • 1. Welt – Welt der kognitiven Erfolglosigkeit
  • 2. Welt – Welt der kognitiven Ziellosigkeit
  • 3. Welt – Welt der kognitiven Schutzlosigkeit

Die passende Welt für jeden


Die Besonderheit des 3-Welten-Modells ist, dass das jeweils dominante Erleben der Betroffenen dem demenztypischen Stadium und somit einer Welt zugeordnet wird. Entsprechend sind die räumliche Umgebung und die Betreuungskonzepte an diese Unterschiede angepasst.

Für die erste Welt gilt als primäres Ziel, die Stärkung des Selbstwertgefühls und die weitgehende Erhaltung der verbliebenen Fähigkeiten. Ein geregelter Tagesablauf und das Ausüben haushaltsbekannter Tätigkeiten gibt Sicherheit und fördert die Alltagskompetenz. Bewohner mit leichter bis mittlerer Demenz wohnen integriert im allgemeinen Pflegebereich. Damit können vorhandene Ressourcen erhalten bleiben und das soziale Umfeld genutzt werden.

In der zweiten Welt ist vorgesehen, dass dem Bewegungsdrang, der Spontanität und Absichtslosigkeit im Handeln Raum gegeben wird. Das Angebot von kurzweiligen Aktivitäten soll zu Erfolgssituationen führen. Der Tagesablauf ist strukturiert mit bekannten und vertrauten Ritualen. Ziel ist es Stress zu reduzieren, Sicherheit zu vermitteln und individuelle Autonomie zu fördern.

In der schwersten Ausprägung der Demenzerkrankung sind die Betroffenen in der Bewegungsfähigkeit stark eingeschränkt und kaum mehr in der Lage verbal zu kommunizieren. In diesem Stadium ist es notwendig eine reizarme und entspannte Atmosphäre um sich zu haben. In der Pflegeoase, der sogenannten dritten Welt, wird dieser allumfassende Schutz gewährleistet. Die Wohngruppe für sieben Bewohner birgt das Qualitäts-Kriterium einer kontinuierlichen Präsenz in der Tagesbetreuung. Nur so können die Bedürfnisse der Erkrankten direkt wahrgenommen und darauf unmittelbar reagiert werden. Dies erfordert von den Pflegepersonen eine verstehende Haltung und Empathie. Durch gelebte Bezugspflege können von den vertrauten Pflegepersonen Gestik und Mimik gedeutet und befriedigt werden.

Nach dem Vorbild des deutschen Modells der qualitätsgeleiteten Pflegeoase (KDA), bleiben Einzel- bzw. Doppelzimmer beibehalten. Dadurch ist Überschaubarkeit, Nähe und Rückzug möglich.
Pflegedirektorin Hermine Fürli: „Mitarbeiter in der Pflegeoase empfinden ihre Arbeit als sinnhaft und beschreiben sie als wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Lebensqualität und Schutz der Menschenwürde. Die situativ und zeitlich angepasste Unterstützung kann durch die Pflegepersonen autonom entschieden werden, was ein hohes Maß an Gestaltungsfreiraum bietet und somit auch ein wichtiges Qualitätsmerkmal ihrer individuellen Pflege ist.“

Ergänzt wird die Pflege in den drei „Erlebnis“-Welten durch nichtmedikamentöse Maßnahmen, um Bewegung, Kommunikation und Wahrnehmung zu erhalten bzw. zu stärken. Besonderes Augenmerk wird dabei auf Wohlbefinden, Vermittlung von Sicherheit und den Abbau von Ängsten gelegt.
Die Verfahren die eingesetzt werden, richten sich nach der Art der Erkrankung und dem Stadium der Demenzerkrankung, wobei darauf geachtet werden muss, dass der Betroffene nicht überfordert wird. Zu den angewendeten Pflegekonzepten gehören Basale Stimulation, Klangmassage, Aromapflege und die Milieutherapie.

Die Diskussion, ob Menschen mit Demenzerkrankung in den normalen Heimbetrieb integriert oder in einer separaten Wohngruppe betreut werden sollen, hat sich hausintern damit beantwortet, dass durch die Milieugestaltung der einzelnen Welten bereits Lebensqualität für Betroffene geschaffen wurde, was Angehörige zufrieden bestätigen.
Pflegedirektorin Hermine Fürli: „Ich bin überzeugt, dass es durch die Umsetzung des 3 Welten-Modells gelingen wird, die schwierige Situation der Bewohner mit Demenzerkrankung zu verbessern. Die damit verbundene Arbeit ist zwar herausfordernd, aber ermöglicht dennoch ein erfüllendes und würdevolles Pflegen.“

Aus der Demenzstrategie – Gut leben mit Demenz, welche vom Ministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz beauftragt wurde, ist als ein Wirkungsziel „Demenzgerechte Versorgungsangebote sicherstellen und gestalten“ definiert. Der Sozialhilfeverband Deutschlandsberg als Träger nimmt diesen sozialen Auftrag wahr.

Obmann Bgm. Franz Lindschinger: „Um der großen Nachfrage im Pflegebereich zu begegnen, planen wir einen Ausbau der derzeit vorhandenen Kapazität von 90 auf 120 Pflegeplätze.“
Damit gibt es in den nächsten zwei Jahren im Perisutti Pflegezentrum neben der täglichen Arbeit viel zu tun.

Direktorin Beatrix Koch: „Wir freuen uns auf die Herausforderung des anstehenden Zu- und Umbaues. Mit der Erweiterung steigt der Bedarf an Pflegepersonal. Deshalb werden wir über Pflegestiftungen unsere zukünftigen Mitarbeiter ausbilden. Eine damit einhergehende Chance bietet sich für jene, die sich beruflich verändern wollen. Wer wertvolle Arbeit leisten soll, muss ein entsprechendes Arbeitsumfeld vorfinden und deshalb befassen wir uns ständig damit, wie wir auch für Mitarbeitende die „Welt“ erschaffen, in der sie sich in ihrer Individualität wertgeschätzt fühlen.“